Als Carles Puyol
in der 73. Minute vor dem deutschen Tor in die Höhe stieg, um mit dem Kopf das Siegtor für die spanische Fußballnationalmannschaft zu machen, hatte die Ernüchterung im Raum schon länger um sich gegriffen. Ich verbrachte den Abend des WM-Halbfinales mit vielen Kollegen und Industrievertretern aus der Branche in Hamburg, wo an zwei Tagen schon die ersten IFA-Neuheiten gezeigt wurden.




Der Gemütszustand
auch der nicht ganz so Fußballbegeisterten unter uns hatte in den vergangenen Wochen den Verlauf einer ansteigenden Fieberkurve angenommen – exakt den gleichen Verlauf wie die Verkaufskurve von Flachbildfernsehern. Die GfK hatte nach der letzten WM 2006 festgestellt, dass jedes Weiterkommen einer Mannschaft im Turnier den Absatz im jeweiligen Land weiter steigerte, während die Kurve nach dem Ausscheiden sofort absank. In den ersten Wochen der diesjährigen WM waren zwischen 45 und 77 Prozent mehr Fernsehgeräte verkauft worden. Puyol hat mit seinem Kopfballtor also die kurze aber heftige TV-Sonderkonjunktur in Deutschland schlagartig beendet.

Für Enttäuschung bleibt jedoch gar keine Zeit, denn was schon am folgenden Tag auf der IFA-Preview-Veranstaltung zu sehen war, lässt auf eine großartige Messe hoffen, die das Interesse der Kunden an innovativer Unterhaltungselektronik erneut befeuern wird. Ob nun 3D-TV, HbbTV oder ganz neue Gerätegattungen, wie sie vom iPad begründet wurden – auch ohne Fußball sind die Aussichten für steigende Umsatzkurven in diesem Jahr gut. Und wenn dann noch das Zusammenspiel im Mittelfeld zwischen Lieferanten und Handel funktioniert, könnte diese Mannschaft am Jahresende auf ihre Art für einen ganz großen Erfolg sorgen.

Ihr 
Matthias Zschunke



Die mittlere Preisschiene. Wurde sie nicht seit vielen Jahren für tot erklärt? Und war es nicht auch so? Verkaufte sich in unserer Branche in den vergangenen Jahren – insbesondere seitdem die großen Flächenanbieter relevant wurden – nicht "billig" und "teuer" am besten? Aber nun ist sie zurück – die Mitte, "Geiz ist geil" hat an Bedeutung verloren. Und davon profitieren die Marken der Mitte. Zu diesem Schluss gelangte die 60. Tagung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) Anfang dieses Monats. Seit 2009 gilt der einstige Polarisierungstrend als gebrochen.






Erstmals gewannen die Mittemarken in Summe wieder Marktanteile, und diese Entwicklung setzt sich 2010 fort, lautete eine der Feststellungen dieser Tagung. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Der Konsument sucht gerade in Zeiten einer Krise Produkte, denen er vertrauen kann, die ihm Sicherheit bieten. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bestimmt bei immer mehr Konsumenten daher die Kaufentscheidung – und das findet sich häufig bei den Mittemarken. Auch in unserer Branche.

Mittemarkenkäufer rekrutieren sich, so die GfK-Veranstaltung, auch nicht aus dem Durchschnitt aller Käufer. Vielmehr handelt es sich bei ihnen um Konsumenten, die für Neuprodukte und Werbung aufgeschlossen sind, die überdurchschnittlich oft Produkte von Mittemarken kaufen. Diese Zielgruppe gilt es nun im Handel zu erkennen und an sich zu binden – was keine schlechte Aufgabe ist.

Ihr 
Horst Winkler

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